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Kostenlos heißt nicht automatisch ohne Preis

Der Satz im Titel ist keine Naturregel. Es gibt gute kostenlose Open-Source-Software. Es gibt spendenfinanzierte Projekte und Dienste, die einen kostenlosen Einstieg anbieten. Trotzdem ist der Satz für mich eine gute Warnlampe.

Server kosten Geld. Entwickler kosten Geld. Support kostet Geld. Wenn ein riesiger Dienst kostenlos angeboten wird, frage ich mich deshalb zuerst, wo das Geld herkommt. Sehr oft lautet die Antwort Werbung. Und Werbung wird umso wertvoller, je genauer ein Unternehmen seine Nutzer einordnen kann.

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Ein Profil über dich muss nicht wie ein Formular aussehen

Niemand muss dich direkt nach deiner politischen Haltung oder deinem Gesundheitszustand fragen. Viele Eigenschaften lassen sich aus Verhalten ableiten. Standortverläufe zeigen Gewohnheiten. Suchanfragen verraten Interessen. Gelesene Inhalte können Hinweise auf politische Themen oder gesundheitliche Sorgen geben.

Dazu kommen offensichtliche Daten wie Alter und Sprache. Je nach Dienst können auch Geschlecht und Wohnort eine Rolle spielen. Einzelne Informationen wirken harmlos. Zusammen ergeben sie ein deutlich genaueres Bild. Genau dieses Profil kann für Personalisierung und Werbung wertvoll werden.

Profil-Demo

Aus einzelnen Datenpunkten wird ein Profil

Schalte beispielhafte Datenkategorien frei. Die Demo sammelt nichts von dir. Sie zeigt nur, wie aus mehreren scheinbar kleinen Signalen ein deutlich detaillierteres Nutzungsprofil entstehen kann.

Fiktive kostenlose App darf sehen

Profil-Dichte

0 von 6 Datenkategorien aktiv.

Die möglichen Ableitungen sind bewusst allgemein formuliert. Ob ein konkreter Dienst so etwas tatsächlich ableitet, hängt von dessen Daten und Geschäftsmodell ab.

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Pokémon GO zeigt das eigentliche Problem besser als ein Skandaltitel

Bei Pokémon GO wurde zuletzt behauptet, Standortdaten der Spieler seien einfach an Dritte verkauft worden. So pauschal ist das nicht belegt. Spannend ist der echte Vorgang trotzdem. Spieler konnten freiwillig reale Orte scannen und dafür Belohnungen im Spiel erhalten. Diese AR-Scans wurden später zum Training von Niantics Geodatenmodellen genutzt.

Nach dem Verkauf der Spielesparte entstand Niantic Spatial als eigenes Unternehmen. Dessen Technik soll Maschinen helfen, reale Orte zu verstehen. Niantic Spatial arbeitet auch mit externen Partnern. Das Unternehmen sagt aber, dass die zugrunde liegenden Pokémon-GO-Scans nicht an den betreffenden Partner weitergegeben werden. Für mich bleibt der Punkt trotzdem wichtig: Daten können Jahre später für einen Zweck wertvoll sein, an den ein Nutzer beim Sammeln wahrscheinlich nie gedacht hat.

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Mich stört vor allem der schleichende Zweckwechsel

Ich kann einer Funktion heute zustimmen, weil sie mir in einer App sinnvoll erscheint. Das heißt nicht automatisch, dass ich jede spätere Verwendung derselben Daten genauso gut finde. Geschäftsmodelle ändern sich. Unternehmen werden verkauft. Neue Produkte entstehen.

Genau deshalb versuche ich bei kostenlosen Diensten nicht nur auf die Funktion von heute zu schauen. Ich frage mich auch, welche Daten überhaupt entstehen. Danach prüfe ich, ob der Dienst sie wirklich braucht. Je weniger unnötige Daten gesammelt werden, desto weniger kann später mit ihnen passieren.

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Meine einfachen Regeln für kostenlose Dienste

  • Berechtigungen nur geben, wenn die Funktion sie wirklich braucht
  • Standortzugriff nicht dauerhaft erlauben, wenn während der Nutzung reicht
  • personalisierte Werbung und optionale Datennutzung abschalten, wenn es möglich ist
  • bei sensiblen Daten lieber einen Dienst wählen, dessen Geschäftsmodell ich verstehe
  • für gute Software lieber bezahlen, wenn die Alternative von maximaler Datensammlung lebt
  • kostenlos nie automatisch mit harmlos verwechseln
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Deine Daten sind kein wertloser Müll

Unternehmen sammeln Daten nicht aus Langeweile. Sie tun es, weil sich daraus ein wirtschaftlicher Vorteil ergeben kann. Das kann bessere Werbung sein. Es kann Produktanalyse sein. Es kann auch die Grundlage für ein komplett neues Produkt werden.

Ich will deshalb nicht paranoid durchs Internet gehen. Ich will nur aufhören so zu tun, als wäre jede kostenlose App ein Geschenk. Wenn jemand dauerhaft Geld mit meiner Nutzung verdient, darf ich ruhig wissen wollen, wie das funktioniert.