Ein Post ist selten das eigentliche Problem
Ein Foto vom Urlaub verrät vielleicht nur den Ort. Ein Geburtstagsbeitrag verrät das Datum. LinkedIn zeigt den Arbeitgeber. Eine alte Story zeigt dein Auto. Ein anderer Beitrag nennt deinen Stadtteil.
Jede Information für sich wirkt banal. Zusammen kann daraus ein erstaunlich genaues Profil entstehen. Dafür muss niemand dein Handy hacken. Die Person muss nur das zusammensetzen, was du selbst öffentlich gemacht hast.
Genau deshalb versuche ich nicht zu fragen, ob eine einzelne Information geheim ist. Ich frage mich eher, ob sie überhaupt öffentlich sein muss.
Öffentliche Informationen machen Angriffe persönlicher
Viele Angriffe beginnen nicht mit irgendeinem genialen technischen Hack. Sie beginnen mit Informationen. Wer deinen Arbeitgeber kennt, kann eine glaubwürdigere Phishing-Mail schreiben. Wer Freunde und Familie kennt, kann sich überzeugender als jemand anderes ausgeben.
Auch alte Sicherheitsfragen werden dadurch problematisch. Der Name eines Haustiers oder die ehemalige Schule sind keine guten Geheimnisse, wenn dieselben Antworten auf einem öffentlichen Profil stehen.
Je weniger ein Angreifer über mich weiß, desto mehr muss er raten. Das ist keine perfekte Sicherheit. Es macht seinen Job aber unnötig schwerer.
Doxing braucht Material
Beim Doxing werden persönliche Informationen über eine Person gesammelt und veröffentlicht. Das kann bei einer Adresse beginnen. Es kann Telefonnummern oder Arbeitsplätze betreffen. Auch Familienmitglieder können hineingezogen werden.
Ich kann nicht verhindern, dass irgendwo Daten über mich existieren. Ich muss die Sammlung aber nicht selbst vereinfachen. Ein sichtbares Straßenschild im Hintergrund oder regelmäßig markierte Orte können mehr verraten als geplant.
Besonders bei Accounts mit großer Reichweite würde ich deshalb sehr genau überlegen, welche Routinen und Orte ich in Echtzeit teile.
Das Internet vergisst nicht zuverlässig
Ein gelöschter Beitrag kann verschwinden. Darauf verlassen würde ich mich trotzdem nicht. Jemand kann vorher einen Screenshot gemacht haben. Inhalte können kopiert oder archiviert werden. Andere Accounts können sie weiterverbreiten.
Deshalb behandle ich öffentliches Posten eher wie Veröffentlichen als wie ein Gespräch mit Freunden. Bevor ich etwas hochlade, frage ich mich, ob es mich in fünf Jahren noch stören würde. Wenn die Antwort vielleicht lautet, lasse ich es lieber.
Privatsphäre-Einstellungen sind hilfreich. Sie sind keine Garantie
Private Accounts sind besser als komplett offene Profile. Trotzdem kontrolliere ich danach nicht mehr vollständig, was mit einem Inhalt passiert. Ein Follower kann etwas speichern. Ein Freund kann einen Screenshot verschicken. Ein Account kann übernommen werden.
Deshalb teile ich sensible Dinge nicht nur deshalb, weil der Kreis gerade auf Freunde gestellt ist. Die beste Information gegen Missbrauch ist oft die Information, die nie hochgeladen wurde.
Was ich möglichst nicht öffentlich verteile
- meine genaue Wohnadresse oder regelmäßig erkennbare Wohnumgebung
- vollständiges Geburtsdatum, wenn es keinen guten Grund dafür gibt
- Reisepläne, bevor oder während die Wohnung leer steht
- Dokumente mit Namen und Nummern im Hintergrund eines Fotos
- private Informationen über Familie oder Freunde ohne deren Zustimmung
- Details die als Antwort auf Sicherheitsfragen verwendet werden könnten
- ständige Echtzeit-Standorte und leicht erkennbare tägliche Routinen
Nicht alles muss Content werden
Ich mag das Internet. Ich veröffentliche sogar eine eigene Website. Trotzdem muss deshalb nicht jeder Teil meines Lebens öffentlich sein.
Ich kann Gedanken und Projekte teilen, ohne meinen kompletten Alltag zu dokumentieren. Für mich ist das kein Verlust. Im Gegenteil. Manche Dinge werden wertvoller, wenn sie nur mir und den Menschen gehören, die tatsächlich dabei waren.