Datenverlust ist meistens erst dann wichtig, wenn es zu spät ist
Fast jeder weiß, dass Backups sinnvoll sind. Trotzdem schieben viele das Thema jahrelang vor sich her. Die SSD läuft doch. Das Handy funktioniert. Die Cloud synchronisiert. Also wird schon nichts passieren.
Genau das ist das Problem. Ein Backup fühlt sich nutzlos an, solange alles funktioniert. In dem Moment, in dem eine Festplatte stirbt oder ein Account gesperrt wird, kann es plötzlich unbezahlbar sein. Fotos aus der Kindheit kannst du nicht neu aufnehmen. Ein altes Projekt kannst du nicht immer nachbauen. Eine eigene Musiksammlung kann ebenfalls Jahre Arbeit enthalten.
Die Cloud allein beruhigt mich nicht
Cloud-Dienste sind praktisch. Ich nutze sie selbst. Für mich sind sie aber nicht automatisch ein vollständiges Backup. Viele Dienste synchronisieren zuerst. Wenn eine Datei gelöscht oder beschädigt wird, kann genau diese Änderung auf andere Geräte wandern.
Dazu kommt ein anderes Risiko. Du bist von deinem Account und dem Anbieter abhängig. Ein Login-Problem kann reichen. Auch eine falsche Sperre oder ein Dienstfehler kann dich zeitweise von deinen Daten trennen. Eine Cloud-Kopie kann Teil meines Backups sein. Sie ist nur nicht die einzige Kopie, auf die ich mich verlassen will.
Drei Kopien sind einfacher als es klingt
Ich mag die einfache 3-2-1-Idee. Von wichtigen Daten gibt es drei Kopien. Sie liegen auf mindestens zwei unterschiedlichen Speicherarten. Eine Kopie befindet sich an einem anderen Ort.
Das muss kein Rechenzentrum im Bunker sein. Meine Arbeitskopie kann auf dem Rechner liegen. Eine zweite Kopie landet auf einer externen SSD oder einem NAS. Eine weitere Kopie kann verschlüsselt in der Cloud liegen. Wichtig ist nur, dass nicht ein einziger Defekt oder Fehler alles gleichzeitig zerstört.
Was bei mir niemals nur einmal existieren sollte
- Fotos und Videos aus der Vergangenheit
- Dokumente und Unterlagen, die ich später noch brauche
- eigene Projekte und Quellcode
- gekaufte Musik oder andere Dateien, die mir wichtig sind
- Passwortmanager und Recovery-Codes in einer geeigneten Sicherung
- alles andere, bei dem ich nach einem Verlust wirklich sagen würde: Das bekomme ich nie wieder
Ein Backup zählt erst, wenn du es zurückholen kannst
Nur Dateien irgendwohin zu kopieren reicht mir nicht. Ich will wissen, dass die Sicherung funktioniert. Deshalb sollte man gelegentlich eine Datei testweise zurückholen. Bei automatischen Backups schaue ich außerdem nach, ob sie wirklich noch laufen.
Eine externe SSD im Schrank ist ebenfalls nur hilfreich, wenn sie aktuell genug ist. Für besonders wichtige Daten finde ich eine Kopie sinnvoll, die nicht dauerhaft mit dem Rechner verbunden ist. Dann kann ein Fehler auf dem Rechner nicht so leicht direkt die Sicherung mitnehmen.
Kein Backup, kein Mitleid
Der Satz klingt absichtlich hart. Natürlich habe ich Mitleid, wenn jemand Erinnerungen oder jahrelange Arbeit verliert. Aber nach dem ersten solchen Erlebnis gibt es für mich keine gute Ausrede mehr, wichtige Dateien nur an einem Ort zu lagern.
Speicher ist heute billig. Deine Lebenszeit ist es nicht. Ein Backup kostet ein wenig Geld und ein paar Minuten Einrichtung. Der Versuch, zehn Jahre Erinnerungen nach einem Defekt wiederzubekommen, kann dagegen unmöglich sein.